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Isaac Israëls
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Isaac Lazarus IsraĂ«ls (* 3. Februar 1865 in Amsterdam; † 7. Oktober 1934 in Den Haag) war ein niederlĂ€ndischer Öl-, Aquarell- und Pastell-Maler. Gemeinsam mit George Hendrik Breitner und Willem Witsen gehörte der in Amsterdam, Den Haag, Paris, London und zahlreichen weiteren Orten tĂ€tige KĂŒnstler zu den Hauptvertretern des Amsterdamer Impressionismus. Sein ƒuvre umfasst MilitĂ€rszenen, Bildnisse, Akte, Menschen auf der Straße und bei der Arbeit, Urlaubs- und FreizeitvergnĂŒgungen, Modeschauen sowie kulturelle Darbietungen. In der kunsthistorischen Literatur gilt IsraĂ«ls als der „einzige wirkliche Impressionist der Niederlande“.cite-ref-1[1] Anders als fĂŒr die französischen Impressionisten waren Sonnenlicht und Farbeffekte fĂŒr ihn jedoch zweitrangig. Er legte seinen Fokus auf das Sujet, auf sein Hauptmotiv, den Menschen.

Contents

‱ Ausbildung
‱ Rezeption
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Leben und Werk

In den Niederlanden ist Isaac IsraĂ«ls ein namhafter KĂŒnstler, sein Leben daher durch Veröffentlichungen gut dokumentiert. Die einzige deutschsprachige Monografie, die 22 Seiten umfassende Übersetzung des Werks von Anna Wagner, erschien 1969 und ist lange vergriffen. Dieser Wikipedia-Artikel referiert die dortigen Angaben und reichert sie mit jĂŒngeren Informationen aus originalsprachlichen Publikationen an.

Ausbildung

Isaac „Ietje“ IsraĂ«ls war das zweite Kind des erfolgreichen und wohlhabenden Malers Jozef IsraĂ«ls und dessen Ehefrau Aleida IsraĂ«ls-Schaap (1843–1894). Seine frĂŒhe Kindheit verbrachte der Junge in Amsterdam. 1871 siedelte die Familie nach Den Haag ĂŒber und bezog das gerĂ€umige Haus des kĂŒrzlich verstorbenen Malers Andreas Schelfhout an der Koninginnegracht. Zwei Jahre spĂ€ter erfolgte ein erneuter Umzug, nur wenige HĂ€user weiter. Hier lebte der junge IsraĂ«ls bis 1887. Das „Wunderkind“cite-ref-2[2] ließ seine kĂŒnstlerische Neigung bereits im Alter von vier Jahren erkennen. 1874 zeichnete er Jozefs Freund Salomon van Witsen, 1876 einen schießenden Soldaten.cite-ref-3[3]

1877 unternahm die Familie IsraĂ«ls eine große Europareise: von Paris nach Turin, Rom, Pisa, Neapel, dann ĂŒber Rom, Mailand, Venedig, Verona und MĂŒnchen wieder zurĂŒck nach Den Haag. Der Junge erwies sich als sprachbegabt und kĂŒnstlerisch talentiert. Um dies zu fördern, ließ Jozef das Kutschenhaus im hinteren Teil seines Gartens umbauen. Er selbst arbeitete im neuen Atelier oben, Isaac konnte das Billardzimmer unten nutzen. Ab 1878 besuchte die Familie jedes Jahr den Salon de Paris, den damals bedeutendsten Schauplatz der Kunstwelt Europas. Kurz darauf verließ Isaac die Schule und erhielt Unterricht bei seinem Vater und bis 1880 an der von Johan Philip Koelman geleiteten Koninklijke Academie van Beeldende Kunsten (Königliche Akademie der Bildenden KĂŒnste).cite-ref-4[4] An der Kunstschule traf er unter anderem auf George Hendrik Breitner, der zu den Ă€lteren SchĂŒlern gehörte.

Erste Erfolge (1881–1885)

IsraĂ«ls war 16 Jahre alt, als er zwei Bildnisse anfertigte: eines von seiner Großmutter, Frau Schaap-Hijmans, und eines von der jungen Nanette Enthoven. Sein Hauptinteresse galt zu dieser Zeit jedoch einem anderen Genre. Von 1880 bis 1884 zog ihn das Soldatenmilieu an. Er arbeitete in Kasernen oder bei militĂ€rischen Übungen am Strand, portrĂ€tierte Sumatra-Veteranen im Bronbeek-Invalidenhaus und ließ Soldaten in seinem Atelier Modell stehen. Auf sein DebĂŒt mit einer heute verschollenen Soldatenmahlzeit auf dem Haager Salon (Tentoonstelling van Levende Meesters) von 1881 folgten weitere, zum Teil sehr großformatige Bilder aus diesem Umfeld. Eines der Hauptwerke, der Abtransport der Kolonialsoldaten, wurde 1885 auf dem Pariser Salon mit einem Preis bedacht. Der Kunstkritiker Albert Wolff erwĂ€hnte es lobend in der ĂŒberregionalen Tageszeitung Le Figaro.cite-ref-5[5] IsraĂ«ls Mitgliedschaften bei der 1876 gegrĂŒndeten Hollandsche Teekenmaatschappij (HollĂ€ndische Zeichengesellschaft) (1883) und der Haager Malergesellschaft Pulchri Studio (1885)cite-ref-6[6] kamen sicherlich auf Betreiben des Vaters zustande.

Neuorientierung (1885–1894)

1885 unternahm IsraĂ«ls Reisen in die Provinz Zeeland, ins Herzogtum Brabant und andere Teile Belgiens. Angeregt durch einen Vortrag ĂŒber Émile Zolas Buch Germinal besuchte er zusammen mit dem spĂ€teren Ethnologen und Soziologen Sebald Rudolf Steinmetz die industriell geprĂ€gte Region Borinage. In Charleroi zeichnete er Landarbeiter, GlasblĂ€ser und Bergleute. Das Leben in den Fabriken wurde fĂŒr IsraĂ«ls jedoch nie zu einem echten Thema. Sein Skizzenbuch zeigt, dass er deren unmittelbaren Umgebung, wie zum Beispiel Frauen, die draußen eine Pause machen, nicht weniger Aufmerksamkeit widmete.cite-ref-7[7]cite-ref-8[8]

Den Haag – mit der erfolgreichen Haager Schule – musste Mitte der 1880er-Jahre die fĂŒhrende Rolle als Kunstzentrum abgeben. Die Eröffnung des Nordseekanals 1876 hatte Amsterdam eine Verbindung zum offenen Meer und damit zum Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten ermöglicht. Die Stadt erlebte nun einen wirtschaftlichen Aufschwung und wurde zum Mittelpunkt des kulturellen und wissenschaftlichen Lebens.

FĂŒr die jungen KĂŒnstler bot sich ein Studium an der Rijksakademie van beeldende kunsten (Reichsakademie der Bildenden KĂŒnste) an. So auch fĂŒr Isaac IsraĂ«ls, der im Dezember 1886 die AufnahmeprĂŒfung ablegte und im Februar 1887 nach Amsterdam zog. Gemeinsam mit Breitner besuchte er den Unterricht, gemeinsam verließen sie bereits nach einem Jahr die Institution. Das Stammregister der Studenten fĂŒhrt beide Maler mit dem Vermerk „als bereits ausgebildete KĂŒnstler an der Akademie völlig fehl am Platz“cite-ref-9[9] auf. Ebenfalls 1887 datiert IsraĂ«ls Mitgliedschaft in der Amsterdamer SozietĂ€t Arti et Amicitiae und sein Anschluss an den Kreis der Literatengruppe Tachtigers („Achtziger“) um Willem Kloos, HĂ©lĂšne Swarth, Frederik van Eeden, Lodewijk van Deyssel, Albert Verwey und Frans Erens. Mit Letzterem blieb er zeitlebens befreundet. Durch den Maler Isaac Voermans lernte er KĂŒnstlerkollegen wie Richard Roland Holst, Jan Verkade, Eduard Karsen, Hendrik Haverman und Jan Toorop kennen.cite-ref-10[10]cite-ref-11[11]

1889 wurde IsraĂ«ls Mitglied der KĂŒnstlervereinigung Nederlandsche Etsclub (NiederlĂ€ndischer Radierklub). Im September fuhr er gemeinsam mit Erens fĂŒr fĂŒnf Wochen nach Paris. Dort trafen die Freunde mit den Schriftstellern Émile Zola, Joris-Karl Huysmans und StĂ©phane MallarmĂ©, dem Kunstkritiker Albert Wolff und dem Maler Odilon Redon zusammen. Bei Berthe Morisot lernten sie neben deren eigenen Bildern auch Werke von Édouard Manet kennen. Jan Veth nahm IsraĂ«ls im Oktober mit in die Kunstgalerie Boussod & Valadon in Montmartre. Der Leiter Theo van Gogh zeigte ihnen unter anderem GemĂ€lde seines Bruders. Nach dem Freitod Vincent van Goghs am 29. Juli 1890 schrieb IsraĂ«ls an Theo: „Mein Freund, ich drĂŒcke Dir mein MitgefĂŒhl zum traurigen Fall mit Deinem Bruder aus. Es tut mir leid, dass ich nie die Gelegenheit hatte, ihn kennenzulernen, aber ich dachte, es wĂŒrde noch dazu kommen.“cite-ref-12[12]cite-ref-13[13]

Durch Amsterdam schlenderten IsraĂ«ls und Erens vor allem abends, um Anregungen fĂŒr ihr Schaffen zu sammeln. Der Literat hielt seine EindrĂŒcke in „Prosagedichten“ fest, die er 1893 als „TĂ€nze und Rhythmen“ veröffentlichte. IsraĂ«ls entwarf dafĂŒr den Einband. Überhaupt arbeitete er sehr intensiv, in seinem Atelier hĂ€uften sich die StudienblĂ€tter. Er zeichnete und malte PortrĂ€ts, Akte, Vorstellungen und das Publikum im neuen Circus CarrĂ©, tanzende Paare in den beliebten TanzhĂ€usern, Kaffeebohnen sortierende Frauen, spielende Kinder und Passanten sowie arbeitende Menschen wie DienstmĂ€dchen, Portiers und Karrenfahrer in den Straßen der Stadt. Um das geschĂ€ftige Treiben im HutgeschĂ€ft Mars festzuhalten, mietete er 1893 im gegenĂŒberliegenden Haus eine Wohnung. Mit den Ergebnissen seines Tuns wenig zufrieden, stellte er zwischen 1887 und 1894 so gut wie nichts aus. Bei den hĂ€ufigen Treffen im Atelier des Bildhauers Joseph Mendes da Costa skizzierte IsraĂ«ls mehrere der ihm bekannten KĂŒnstler wie Gerrit Willem Dijsselhof und Maurits van der Valk. Auch ein PortrĂ€t seines Vaterscite-ref-14[14] und das von ThĂ©rĂšse Schwartzecite-ref-15[15] entstanden in dieser Phase.cite-ref-16[16]cite-ref-17[17]cite-ref-18[18]cite-ref-19[19]

Manche seiner auf der Straße angefertigten Studien setzte IsraĂ«ls im Atelier in Öl um. So beispielsweise zum GemĂ€lde Noordermarkt, das zu seinen frĂŒhesten Stadtveduten zĂ€hlt.cite-ref-wag11-20-0[20] Mehrere Werke zeigen junge Frauen, die an einer Gracht entlanggehen. Sie sind immer mindestens zu zweit. Dicht beieinander, meist Arm in Arm, wappnen sie sich vor den Gefahren der Stadt. Ein Beispiel ist hier das GemĂ€lde Zwei junge Frauen an der Lijnbaansgracht in Amsterdam.cite-ref-21[21] IsraĂ«ls neue Pinselstriche sind massiv und breit, die HĂ€userreihen im Hintergrund durch flotte Farbkleckse (taches) angedeutet.cite-ref-wag11-20-1[20] FĂŒr die Maler des Amsterdamer Impressionismus avancierte die Stadt zum Motiv und diente nicht mehr nur als Kulisse. Sie gewannen dem urbanen Leben eine eigene Schönheit ab.cite-ref-22[22]

Pleinair-Malerei in Amsterdam und Scheveningen (1894–1904)

Nachdem IsraĂ«ls bei seinem Besuch in London im Mai 1891 Kunstwerke von Vertretern der Schule von Barbizon gesehen hatte, beantragte er bei der Stadt Amsterdam die Erlaubnis zum Malen auf der Straße – und erhielt die Lizenz. Doch erst als er 1894 die VergĂŒnstigung zum zweiten Mal erreichte, zögerte er nicht lĂ€nger. FĂŒr Anna Wagner ist das an Paul Verlaines Abreisetag im November 1892 im Innenhof von Witsens Haus entstandene Bild zweier Frauen der „Beginn von IsraĂ«ls Pleinair-Malerei“.cite-ref-23[23] In der Öffentlichkeit malte der KĂŒnstler allerdings zum ersten Mal an einem sonnigen Oktobertag 1894. In der Tagespresse war zu lesen: „Heute stand der Maler mit seiner kleinen Staffelei auf der BrĂŒcke [
] und malte dort unter dem blauen Himmel sein Bild mit den AufwartemĂ€dchen (dagmeisjes).“cite-ref-24[24] Um welches Bild es sich handelte, kann nicht mehr eindeutig nachvollzogen werden. IsraĂ«ls malte jedoch eine ganze Serie desselben Motivs. Die Titel und Datierungen variieren, aufgrund der ĂŒbereinstimmenden HĂ€userzeile im Hintergrund werden zwei GemĂ€lde beim jeweiligen Museum als Dienstmeisjes op de Leidsegracht (DienstmĂ€dchen an der Leidsegracht)cite-ref-25[25] gefĂŒhrt.

Auffallend ist die neue Farbpalette. Die Töne sind heller, die Szenen von Sonnenlicht durchflutet. IsraĂ«ls hatte nun seinen Stil gefunden. „In fröhlichen Farben besang er die Alltagswelt und verzauberte sie in ein schmetterlinghaft bewegtes Spiel von Linie, Farbe und Licht.“cite-ref-26[26] In Amsterdam fand der Maler seine Modelle auf der Straße, bat Passanten einfach, sich wie gewĂŒnscht zu positionieren, und machte sich ans Werk. Die Bilder waren schnell vollendet. Eine gerne zitierte Äußerung von ihm lautet: „Vor allem nicht zu viel arbeiten, nicht mehr als zwei Stunden am StĂŒck, nicht zu lange herumtrödeln, [denn] dann ist man nicht mehr frisch.“cite-ref-27[27]

Nach dem Tod der Mutter am 16. Januar 1894 hatten sich Vater und Sohn stĂ€rker angenĂ€hert und eine Reise durch Spanien und Nordafrika unternommen. Von 1895 bis 1902 hielten sich die beiden MĂ€nner fast jeden Sommer einige Monate in Scheveningen auf, wo sie eine Villa bewohnten. Der mit dem Vater befreundete Max Liebermann war oft zu Gast und malte gemeinsam mit ihnen.cite-ref-28[28]cite-ref-29[29] Isaac wĂ€hlte als Motive auf Eseln reitende Kinder, BadegĂ€ste am Strand, flanierende Urlauber auf der SeebrĂŒcke und dem Boulevard, Damen auf der Terrasse des CafĂ©s und in den DĂŒnen. Manche von ihnen bleiben anonym, viele andere sind namentlich bekannt, wie z. B. Suze Cramer, Sophie de Vries und Jacqueline Sandberg.cite-ref-30[30]

Um 1900 kam IsraĂ«ls ĂŒber ThĂ©rĂšse Schwartze in Kontakt mit der Direktion des Modehauses Hirsch & Cie am Leidseplein. Daraufhin durfte er sowohl die Modenschauen als auch die Frauen in den NĂ€hateliers und die Mannequins in ihren Garderoben im Kunstwerk festhalten.cite-ref-kap23-31-0[31] SpĂ€ter malte er wiederholt die als „Ippy“ und „Gertie“ bekannt gewordenen Zwillingsschwestern Helena und Geertruida Wehmann, von 1916 bis 1918 die Topmodels bei Hirsch.

Zehn Jahre in Paris (1904–1913)

Immer auf der Suche nach neuen EindrĂŒcken unternahm IsraĂ«ls zahlreiche Reisen. Besonders gerne hielt er sich in Paris auf, sodass er 1904 den Entschluss fasste, sich dort anzusiedeln. Im Jahr zuvor hatte er sich bei dortigen Couturiers umgesehen und arbeitete nun in den ModehĂ€usern Paquin in der Rue de la Paix und Drecoll an der Place de l‘OpĂ©ra.cite-ref-32[32]cite-ref-kap23-31-1[31] Es scheint, dass die Pariser Modewelt ihn geradezu in ihren Bann zog. Er traf die Midinettes genannten NĂ€herinnen und Modistinnen nicht nur in den Modeateliers, sondern ebenso wĂ€hrend der Mittagspause im Jardin des Tuileries oder auf der Place VendĂŽme. FĂŒr IsraĂ«ls waren sie das Charakteristischste, was das Pariser Straßenleben zu bieten hatte. Auch im außerhalb der Stadt gelegenen Bois de Boulogne fand er zahlreiche Motive: Karten spielende MĂ€nner, in ihre LektĂŒre vertiefte Frauen und Familien beim Picknick. Auf den Terrassen der Restaurants weilte der Pariser Chic und warf einen Blick auf die vorbeiflanierenden Models von Paquin. Die geschĂ€ftstĂŒchtige Inhaberin wusste ihre neuesten EntwĂŒrfe bekannt zu machen. Die EindrĂŒcke, die IsraĂ«ls bei den Couturiers gewonnen hatte, bestimmten weitgehend den Stil seiner Pariser Jahre.cite-ref-33[33]

Im Stadtteil Montmartre war das Leben billig und meist der erste Anlaufpunkt fĂŒr nach Paris kommende KĂŒnstler. Auch IsraĂ«ls fand dort ein Atelier, wenn auch im wohlhabenderen Teil des Bezirks. Ihn zogen die vielen Bistros, Kabaretts und Tanzlokale an. Eines seiner Lieblingssujets war das bunte Treiben auf der ansteigenden Rue de Clignancourt.cite-ref-34[34] Wie Henri de Toulouse-Lautrec malte nun auch IsraĂ«ls im TanzcafĂ© Le Moulin de la Galette, außerdem die BĂŒhnenauffĂŒhrungen und das Publikum in Le Bal Tabarin, im „Horrortheater“ Le Grand Guignol und im Zirkus MĂ©drano am Boulevard Marguerite de Rochechouart. Manchmal wurde ihm darĂŒber hinaus der Zugang zu den Garderoben der Clowns und Akrobaten gewĂ€hrt. IsraĂ«ls besuchte die VergnĂŒgungsstĂ€tten und JahrmĂ€rkte zusammen mit Kees van Dongen, den er wahrscheinlich schon zu Beginn seines Parisaufenthalts kennengelernt hatte; beide begeisterten sich insbesondere fĂŒr die elektrisch beleuchteten Karussells. Mit dem Schweizer ThĂ©ophile-Alexandre Steinlen teilte IsraĂ«ls die Vorliebe, das Leben auf der Straße und das Publikum in BallsĂ€len und Zirkussen darzustellen.cite-ref-35[35]

Nie lange an einem Ort (1913–1921)

1913 verließ IsraĂ«ls Paris und zog nach London. Die Stadt bot dem KĂŒnstler viele Schaffensmöglichkeiten. Er malte Frauen und MĂ€dchen am Themse-Ufer, in einem Boot auf dem Fluss, im Hyde Park und in den GĂ€rten der Vorort-GaststĂ€tten. Auf der breiten Rotten Row bannte er SpaziergĂ€nger und Reiter auf die Leinwand, in der Gegend rund um den Piccadilly Circus FußgĂ€nger und Fuhrwerke. Wie immer bot das Straßenleben IsraĂ«ls eine ergiebige Quelle. Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, verlegte er seine AktivitĂ€ten in InnenrĂ€ume. Bekannt geworden sind seine Darstellungen von BoxkĂ€mpfen. DafĂŒr mietete er eigens einen kleinen Saal und engagierte „Zuschauer“ und zwei Boxer.cite-ref-36[36]cite-ref-37[37]

Im Mai und Juni 1915 hielt IsraĂ«ls sich in der Schweiz auf, im Juli wieder in Paris, den Rest des Krieges verbrachte er grĂ¶ĂŸtenteils im Elternhaus in Den Haag. Das Atelier seines 1911 verstorbenen Vaters richtete der Maler jedoch erst 1916/1917 nach seinen Vorstellungen ein. Die NeutralitĂ€t der Niederlande ermöglichte es ihm, selbst wĂ€hrend des Krieges friedvolle Strand- und Pierszenen des Ferienortes Scheveningen festzuhalten. 1916 oder 1917 erhielt IsraĂ«ls von Jo van Gogh-Bonger zwei Werke ihres Schwagers Vincent als Leihgabe, darunter eines aus der berĂŒhmten Sonnenblumen-Serie. Das bekannte Motiv wird er in mehrere seiner Werke integrieren, mal als Hintergrund, mal als Bildgegenstand. Im SpĂ€tsommer 1919 reiste der KĂŒnstler nach DĂ€nemark und Schweden, war danach wieder in London, zurĂŒck in Den Haag und im Januar 1920 erneut in Paris. In dieser Phase malte er vor allem PortrĂ€ts, darunter allein vier der Ärztin und Frauenrechtlerin Aletta Jacobs.cite-ref-38[38]

Reise nach NiederlĂ€ndisch-Indien (1921–1922)

Der „Orient“ hatte auf IsraĂ«ls bereits frĂŒh eine besondere Faszination ausgeĂŒbt: Bei den Feierlichkeiten zur AmtseinfĂŒhrung von Königin Wilhelmina 1898 traten unter anderem javanische und balinesische TĂ€nzerinnen auf. Die Darbietungen sah der Maler als Bereicherung seines Werks mit neuem Bildmaterial. 1915 fand eine AuffĂŒhrung der Indischen Vereinigung im Königlichen Theater von Den Haag zu Gunsten der Opfer einer Naturkatastrophe auf Java statt. IsraĂ«ls hielt die Gamelan-Spieler fest, war aber weit mehr beeindruckt von der Eleganz und Dynamik des berĂŒhmten und populĂ€ren TĂ€nzers Raden Mas Jodjana. Es entwickelte sich eine Freundschaft und der NiederlĂ€nder portrĂ€tierte den Javaner mehrmals im traditionellen TanzkostĂŒm. Bei Mata Hari wĂ€hlte er dagegen eine vollkommen andere Art der Darstellung. Das fast lebensgroße Bildnis zeigt keine orientalische TĂ€nzerin, sondern eine Person in statischer Pose, gekleidet in einen dunklen Mantel mit hohem Pelzkragen.cite-ref-39[39]

Nach jahrelangem Zögern brach IsraĂ«ls im Oktober 1921 schließlich nach NiederlĂ€ndisch-Indien auf. In der Hauptstadt Batavia auf der Insel Java wurde er von Jan Veth und seiner Frau Anna erwartet. Gemeinsam besuchten sie die Tempelanlage Borobudur und die Insel Bali. In Surakarta, bei den Einheimischen aufgrund der Lage am Fluss Solo auch Solo genannt, erhielt er mithilfe eines Empfehlungsschreibens von Jodjana Zutritt zum Kraton (Palast) des Pangeran Adipati Ario Praboe Mangkoenegara VII. Er blieb dort etwa drei Wochen. SpĂ€ter konnte er am weitaus grĂ¶ĂŸeren Hof des Sunans (auch: Susuhunan, Herrscher) von Solo arbeiten. Von der Reise sind neben GemĂ€lden und Pastellen etliche SkizzenbĂŒchern erhalten. Sie gelangten nach dem Tod des KĂŒnstlers aus dem Atelier in die namhaftesten Museen der Niederlande.cite-ref-40[40]cite-ref-41[41]

Sesshaft in Den Haag (1923–1934)

IsraĂ«ls trat seine Heimkehr am 4. Oktober 1922 an und ließ sich danach dauerhaft im Elternhaus in Den Haag nieder. Dennoch unternahm er auch jetzt noch viele Reisen. Wieder standen Paris (wo er sein Atelier nun endgĂŒltig aufgab) und London auf dem Programm, nun auch St. Moritz und Pontresina sowie Florenz, Venedig, Rom, Viareggio und die CĂŽte d’Azur. Die Schweiz besuchte er 1923 mit seiner LebensgefĂ€hrtin Sophie de Vries (1879–1931). Deren Gesundheitszustand war sicherlich auch ein Grund fĂŒr einige seiner Italienreisen zwischen 1923 und 1929. De Vries war dort jĂ€hrlich zur Kur und musste sich mehreren Behandlungen unterziehen. Den KĂŒnstler zog es bei den Besuchen in die StĂ€dte der Umgebung und an die Adria. In Viareggio und am Lido di Venezia entstanden zahlreiche Öl- und Aquarellbilder von Menschen, vornehmlich Damen, am Strand.cite-ref-42[42]cite-ref-43[43]

In Den Haag widmete IsraĂ«ls sich vor allem dem Malen kultureller Veranstaltungen und PortrĂ€ts. AuftrĂ€ge erhielt er unter anderem von den vermögenden Bankiers Jacobus Henricus Mannen und Nehemia de Lieme, den Sammlern Simon Pinkhof und Johannes Wolterbeek Muller sowie dem Ingenieur J. P. Leeuwenburg.cite-ref-44[44] Letzterer posierte auf dem Vorplatz von Schloss Zeist hoch zu Ross. Nachdem der Reiter das fertige PortrĂ€t abgelehnt hatte – die Darstellung seines Pferdes Tristan sagte ihm nicht zu – reichte IsraĂ«ls es beim Kunstwettbewerb der Olympischen Spiele 1928 in Amsterdam ein – und gewann mit dem Reiter im roten Rock in der Kategorie GemĂ€lde die Goldmedaille.cite-ref-45[45]

IsraĂ«ls starb an den Folgen eines Verkehrsunfalls. Ein Auto hatte ihn drei Tage zuvor in der NĂ€he seines Hauses angefahren.cite-ref-46[46] Im RĂŒckblick hat IsraĂ«ls ein eher abgeschottetes Leben gefĂŒhrt. Er stand nie gerne im Rampenlicht, mochte keine offiziellen Ausstellungseröffnungen und suchte wenig oder gar keinen Kontakt zu KunsthĂ€ndlern, Kritikern und KĂŒnstlerverbĂ€nden. So findet sich sein Name beispielsweise auch nicht in den Katalogen des progressiven Salon des IndĂ©pendants, in dem die „niederlĂ€ndischen Modernen“ regelmĂ€ĂŸig ausstellten. „Je peins pour m’amuser“ (Ich male zum VergnĂŒgen) – diese Mitteilung an seinen französischen Freund Henry Asselin verweist auf ein sorgloses Leben, das er auch dank des Wohlstands seiner Familie fĂŒhren konnte.cite-ref-47[47]

Werke (Auswahl)

Im Biografisch Woordenboek van Nederland (Biografisches Wörterbuch der Niederlande) wird das umfangreiche Werk Isaac IsraĂ«ls mit 3000 bis 4000 GemĂ€lden und Tausenden von Zeichnungen, Aquarellen und Pastellen beziffert.cite-ref-bwn-48-0[48] Das RKD – Nederlands Instituut voor Kunstgeschiedenis (NiederlĂ€ndisches Institut fĂŒr Kunstgeschichte) listet 1120 Kunstwerke: 791 GemĂ€lde, 235 Zeichnungen, 76 Aquarelle, 11 Drucke und einige SkizzenbĂŒcher etc.cite-ref-49[49] Die folgende Tabelle bietet eine Auswahl der fĂŒr das Gesamtwerk besonders reprĂ€sentativen StĂŒcke.

| Bild | Titel | Jahr | Technik H x B | Sammlung Inventarnummer | Wikidata / RKD |
|---|---|---|---|---|---|
| | PortrĂ€t Nanette Enthoven-Enthoven | 1881 | ÖLw 64 × 46 cm | Privatsammlung | Q107697240 RKD 109874 |
| | Abtransport der Kolonialsoldaten | 1883–1884 | ÖLw 160 × 300 cm | Kröller-MĂŒller Museum , Otterlo KM 107.977 | Q24020717 RKD 30731 |
| | Noordermarkt | 1887–1889 | ÖLw 120 × 141 cm | Privatsammlung | nicht wikidata, nicht RKD |
| | HutgeschĂ€ft Mars auf dem Nieuwendijk in Amsterdam | 1893 | ÖLw 64,5 × 59,5 cm | Groninger Museum 1969.0016 | Q26953401 RKD 52134 |
| | Zwei MĂ€dchen an der Lijnbaansgracht in Amsterdam | 1894 | ÖLw 101 × 78 cm | Groninger Museum 1985.0453 | Q26953421 RKD 52590 |
| | DienstmĂ€dchen auf der Leidsegracht in Amsterdam | 1894–1900 | ÖLw 40 × 56 cm | Rijksmuseum Amsterdam SK-A-3594 | Q17334542 RKD 110244 |
| | Eselreiten am Strand | 1898–1900 | ÖLw 51 × 70 cm | Rijksmuseum Amsterdam SK-A-3597 | Q14627564 RKD 21394 |
| | PortrĂ€t von Jacqueline Sandberg | ca. 1898 | ÖLw 93 × 53 cm | Teylers Museum , Haarlem TdM S 014 | Q17343218 RKD (nicht: 208210) |
| | Moulin de la Galette | 1905–1906 | ÖLw 90 × 110 cm | Privatsammlung Cees und Jarmilla Kamerbeek | RKD 198772 |
| | Zwei Mannequins bei Hirsch | ca. 1916 | ÖLw 78,5 × 51 cm | Privatsammlung | Q17480508 RKD |
| | Javanischer TĂ€nzer (Raden Mas Jodjana) | 1916 | ÖLw 135 × 82 cm | Museum Boijmans Van Beuningen , Rotterdam 1357 (MK) | Q19925378 RKD 28544 |
| | Mata Hari (Margaretha Geertruida Zelle) | 1916 | ÖLw 210 × 110 cm | Kröller-MĂŒller Museum , Otterlo KM 107.183 | Q24018200 RKD 148521 |
| | Frau vor den Sonnenblumen von Vincent van Gogh | 1917 | ÖLw 70 × 55 cm | Museum de Fundatie , Zwolle 0000002115 | Q15943779 RKD 208606 |
| | PortrĂ€t Aletta Jacobs | 1920 | ÖLw 92 × 72,5 cm | Groninger Museum 1931.0037 | Q26939376 RKD 19746 |
| | Roter Reiter | vor 1928 | ÖLw 80 × 75 cm | Privatsammlung | RKD 112344 |
| | Revuegirl (La Cocotte) am Scala Theater, Den Haag | ca. 1930 | ÖLw 70 × 60 cm | Privatsammlung | RKD 226517 |
| | Frau am Strand von Viareggio | ca. 1930 | ÖLw 60 × 80 cm | NiedersĂ€chsisches Landesmuseum Hannover PNM 1050 | Q117228298 RKD 209270 |

ÖLw = Öl auf Leinwand

Rezeption

WĂ€hrend seiner Pariser Jahre ist keine Einzelausstellung von Isaac IsraĂ«ls bekannt. Dennoch beteiligte er sich recht oft an den wichtigsten Expositionen. Die erste lobende ErwĂ€hnung heimste der KĂŒnstler bereits im Alter von 18 Jahren ein. Einige Jahre spĂ€ter war in der Gazette des Beaux-Arts zu lesen: „Man muss sehen, welche Vielfalt, welches Leben, welche herzliche Beobachtung in der Zeichnung der Figuren steckt und wie diese prĂ€zise und natĂŒrliche Zeichnung, die ohne Pedantismus erlernt wurde, wirklich von seinem Land ist. Noch ein AuslĂ€nder, dessen Erfolg unseren französischen Malern, die ein wenig zu sehr auf den stillen Besitz einer seit langem unbestrittenen kĂŒnstlerischen Vorherrschaft vertrauen, eine heilsame Warnung sein sollte.“cite-ref-50[50] IsraĂ«ls reichte Arbeiten bei der Weltausstellung 1900 und mehreren Pariser Salons ein, nahm achtmal an der Biennale von Venedig und mehrere Male an niederlĂ€ndischen Gruppenausstellungen in Paris teil. Auch in den Niederlanden zogen seine Pariser Werke ein großes Publikum an. Bei der PrĂ€sentation von ĂŒber zwanzig Werken im Kunstzaal J.C. SchĂŒller, Den Haag, wurden innerhalb acht Tagen neunzehn Werke verkauft. Im Jahr darauf prĂ€sentierte der Kunsthandel Reckers in Rotterdam 53 Werke. Die Kritiker von De Nieuwe Courant und dem Nieuwe Rotterdamsche Courant zeigten sich begeistert.cite-ref-51[51] Bemerkenswert gut wurde auch das SelbstportrĂ€t von 1905 aufgenommen. So bezeichnete es der Kritiker N.H. Wolf als „das Höchste, was erreicht werden kann“cite-ref-52[52], nicht nur perfekt Ă€hnlich, sondern vor allem perfekt in Maltechnik und SensibilitĂ€t. Ab 1906 kam das Publikum vor allem wegen der neuen Arbeiten: den Damen und Paaren in den CafĂ©s, auf den Straßen und im Bois de Boulogne. Zu reichlich Lob ob seiner Reife gesellte sich auch Kritik. In seinem Artikel zu den bei Arti et Amicitiae ausgestellten Werken bezeichnete Conrad Kickert den Maler als einen KĂŒnstler mit sehr vielen guten Eigenschaften, fand aber, dass ihm das fehle, was seiner Meinung nach einen KĂŒnstler zu einem großen KĂŒnstler mache: Vielseitigkeit.cite-ref-53[53]cite-ref-54[54]

Eine völlig andere Sichtweise Ă€ußerte der KĂŒnstlerkollege Richard Roland Holst. Er schrieb 1930 an IsraĂ«ls: „Deine Ausstellung in Arti habe ich sehr genossen. Es ist ein wahres VergnĂŒgen, Bilder so anzusehen, wie man Musik hört, weil es sich wirklich um Musik fĂŒrs Auge handelt.“cite-ref-55[55] Seine zahlreichen PortrĂ€tauftrĂ€ge belegen ebenso wie die regelmĂ€ĂŸig stattfindenden Expositionen in Kunsthandlungen und Kunstvereinen die große Anerkennung IsraĂ«ls in seiner letzten Haager Zeit.cite-ref-bwn-48-1[48]

Kunsthistorische Einordnung

In der Kindheit und Jugend IsraĂ«ls‘ bestimmte die Haager Schule den niederlĂ€ndischen Kunstmarkt. Der Kontakt mit der Natur reduzierte sich fĂŒr diese Maler jedoch auf die ruhende Natur. Die Romantik hatte das Thema der StĂŒrme und Gezeiten, der SchiffbrĂŒche und Naturkatastrophen bereits ausreichend ausgeschöpft. Die Realisten zeigten den ruhigen Strand, die sonnige Wiese, eine am Wasser stehende Kuh, einen Kahn oder eine WindmĂŒhle. Dargestellte Menschen waren zumeist in Kontemplation vertieft, saßen am Kamin oder lasen in der Bibel. Die junge Generation suchte etwas Neues – und fand das Leben der Großstadt. FĂŒr sie wurden die Betriebsamkeit und MĂŒhsal der Menschen, aber auch ihr VergnĂŒgen und der Fortschritt, zur Metapher fĂŒr die Moderne. IsraĂ«ls wollte das Leben in seiner Lebendigkeit einfangen: Passanten auf der Straße, flĂŒchtige Begegnungen, reger Verkehr, tanzende Paare in elektrisch beleuchteten Lokalen. Damit Ă€hnelte er in gewisser Weise Max Liebermann, der schon in den 1870er-Jahren arbeitende Menschen und die StraßenmĂ€rkte Amsterdams gemalt hatte. Auch er wollte sich von der erzĂ€hlenden und illustrativen Malerei entfernen. John Sillevis sieht in dessen spĂ€teren Strandszenen von Scheveningen und Zandvoort sogar den Einfluss von Isaac IsraĂ«ls.cite-ref-56[56] Eine andere Deutung ist, beide KĂŒnstler hĂ€tten sich gegenseitig beeinflusst.cite-ref-57[57]

Isaac IsraĂ«ls gilt fĂŒr die Strandkultur des Fin de SiĂšcle und der daran anschließenden Zeit als Maler par excellence. Das Strandleben hatten jedoch schon viele KĂŒnstler vor ihm dargestellt. Im 17. Jahrhundert und mehr noch im frĂŒhen 19. Jahrhundert waren die AktivitĂ€ten der Fischer an den hollĂ€ndischen StrĂ€nden ein beliebtes Motiv. Wahrscheinlich wurde der frankophile IsraĂ«ls jedoch mehr von den Werken der französischen Impressionisten, namentlich Claude Monet, Jean-Louis Forain und Mary Cassatt inspiriert, die in den 1870er/1880er-Jahren regelmĂ€ĂŸig Strandszenen fĂŒr ihre Bilder wĂ€hlten. Zu den VorgĂ€ngern am Strand von Scheveningen zĂ€hlen Willem Maris, Johannes Bosboom und Anton Mauve. Zur selben Zeit wie IsraĂ«ls malten dort sein Vater Jozef IsraĂ«ls, Liebermann und Floris Arntzenius. Die am Strand von Viareggio entstandenen Bilder von Willem Johannes Martens zeigen die gleichen Szenen wie IsraĂ«ls. Jan Zoetelief Tromp, Hessel de Boer (1921–2003) und einige andere KĂŒnstler fĂŒhrten das beliebte Motiv der eselreitenden Kinder noch einige Zeit fort.cite-ref-58[58]

Wenn die Themen in IsraĂ«ls Werk auch variierten, seinen 1895 gewĂ€hlten Malstil behielt er lebenslang bei. Ob bekannte Persönlichkeiten, die arbeitende Bevölkerung, sich vergnĂŒgende Strandbesucher, die Welt der Unterhaltung oder die Kultur Ostindiens. Seine PinselfĂŒhrung wurde immer lebhafter, seine Arbeitsweise immer flotter, dennoch folgte er keiner neuen Kunstströmung. „Nachdem er [
] den Impressionismus zu einem persönlichen Stil gestaltet hatte, verharrte er in der einmal eingeschlagenen Richtung.“ – auch, wenn sich zu dieser Zeit andere bereits wieder von dieser Kunstrichtung abwendeten. Im Unterschied zu den französischen Impressionisten stand bei IsraĂ«ls nicht der Farbeffekt, sondern das Sujet im Vordergrund. Bei seinen „Momentaufnahmen“ ging es ihm nicht um das Einfangen des Sonnenlichtes, sondern um das einer GebĂ€rde, einer Bewegung, einer Situation. Damit unterschied er sich wesentlich von den Malern der Haager Schule, die zwar in ihrer Maltechnik auch freier geworden waren, zumindest in ihrer Farbgebung aber den Realismus Gustave Courbets fortsetzten. Zu Recht wird Isaac IsraĂ«ls bis heute als „der einzige wirkliche Impressionist der Niederlande“ bezeichnet.cite-ref-59[59]

Ausstellungen

Ausstellungen zu Lebzeiten

‱ 1882, 1885 Paris, Salon des Artistes Français
‱ 1897, 1907, 1914, 1920, 1926, 1930, 1932, 1934 Venedig, Biennale di Venezia
‱ 1904 Den Haag, Kunstzaal J.C. SchĂŒller
‱ 1906 Rotterdam, Amsterdam, Den Haag, Leiden und Utrecht
‱ 1912 Amsterdam, Internationale Ausstellung
‱ 1912 Berlin, Große Kunstausstellung
‱ 1915 San Francisco, Panama-Pacific International Exposition
‱ 1921, 1926 Paris, Exposition Hollandaise in der Galerie nationale du Jeu de Paume
‱ 1926 Paris, Salon d’Automne im Grand Palais, Section Hollandaise
‱ 1927 Bordeaux, Exposition Internationale des Beaux-Arts
‱ 1928 Amsterdam, Exposition d’Art Olympique im Stedelijk Museum

Postume Einzelausstellungen (Auswahl)

‱ 1999 Otterlo, Kröller-MĂŒller Museum
‱ 1999/2000 Rotterdam, Kunsthal
‱ 2006/2007 Nijmegen, Museum Het Valkhof / Den Haag, Panorama Mesdag
‱ 2007 Haarlem, Frans Hals Museum; De Hallen
‱ 2008/2009 Den Haag, Gemeentemuseum
‱ 2012 Wanderausstellung: Den Haag, Historisch Museum; Muzee Scheveningen; Louis Couperus Museum; Panorama Mesdag; Haags Gemeentearchief
‱ 2012 Amsterdam, Stadsarchief
‱ 2023 7 Werke in der Themenausstellung „Wolken und Licht. Impressionismus in Holland“

Literatur

‱ Anna Wagner: Isaac Israels. NiederlĂ€ndische Originalausgabe: Lemniscaat, Rotterdam 1967. Übersetzt ins Deutsche von Joseph Tichy. Meulenhoff, Amsterdam 1969.
‱ Diverse: Isaac Israels – Hollands Impressionist. Publiziert anlĂ€sslich der Ausstellung in der Kunsthalle Rotterdam, 4. September 1999 – 9. Januar 2000. Scriptum Art, Schiendam 1999, ISBN 90-5594-151-4 (niederlĂ€ndisch).

1. Jeroen Kapelle: Isaac Lazarus Israels: Amsterdam 1865 – Den Haag 1934. S. 10–33.
2. Saskia de Bodt: Isaac Israels en zijn vader Jozef. Over de Borinage naar Amsterdam. S. 34–57.
3. John Sillevis: Isaac Israels en de moderne kunst van zijn tijd. S. 58–83.
4. Judith Wesselingh: Isaac Israels in Parijs. S. 84–123.
5. Jop Ubbens: Isaac Israels en de OriĂ«nt. S. 124–137.

‱ Antoon Erftemeijer: IsraĂ«ls aan zee. Hollandse en Italiaanse strandtaferelen van Isaac IsraĂ«ls (1865-1934). Publiziert anlĂ€sslich der Ausstellung in De Hallen Haarlem, 9. Juni – 19. August 2007. Frans Hals Museum, Haarlem 2007, ISBN 978-90-804456-7-3 (niederlĂ€ndisch).
‱ Willemien de Vlieger-Moll: Isaac Israels in Den Haag. Publiziert anlĂ€sslich der Ausstellungen im Historischen Museum Den Haag, im Museum Scheveningen, im Louis Couperus Museum, im Panorama Mesdag und im Gemeindearchiv Den Haag, 2. Juni – 23. September 2012. Uitgeverij Thoth, Bussum 2012, ISBN 978-90-6868-602-9 (niederlĂ€ndisch).
‱ J.F. Heijbroek, Jessica Voeten: Isaac Israels in Amsterdam. Publiziert anlĂ€sslich der Ausstellung im Stadtarchiv Amsterdam, 15. Juni – 26. August 2012. Uitgeverij Thoth, Bussum 2012, ISBN 978-90-6868-593-0 (niederlĂ€ndisch).
‱ Volker Frank: IsraĂ«ls, Isaac. In: Allgemeines KĂŒnstlerlexikon. Die Bildenden KĂŒnstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 76, De Gruyter, Berlin 2013, ISBN 978-3-11-023181-6, S. 464.
‱ Ortrud Westheider, Michael Philipp, Daniel Zamani (Hrsg.): Wolken und Licht. Impressionismus in Holland. Ausstellung im Museum Barberini, Potsdam, 8. Juli – 22. Oktober 2023. Prestel Verlag, MĂŒnchen 2023, ISBN 978-3-7913-7998-2.

Weblinks

Commons

: Isaac Israëls

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

‱ M. van Delft: Israels, IsaĂ€c Lazarus (1865–1934). Durchgesehene ursprĂŒngliche Version in Biografisch Woordenboek van Nederland 2, Den Haag 1985. Huygens-Institut fĂŒr die Geschichte der Niederlande, 12. November 2013, abgerufen am 17. September 2023 (niederlĂ€ndisch).
‱ Janet Whitmore: Biography Isaac Israels (1865–1934). In: Rehs Galleries. Abgerufen am 17. September 2023 (englisch).

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Anna Wagner: Isaac Israels. 1969, S. 20.
cite-note-22. ↑ Saskia de Bodt: Isaac Israels en zijn vader Jozef. Over de Borinage naar Amsterdam. In: I.I. – Hollands Impressionist. 1999, S. 36.
cite-note-33. ↑ Jeroen Kapelle: Isaac Lazarus Israels: Amsterdam 1865 – Den Haag 1934. In: I.I. – Hollands Impressionist. 1999, S. 10.
cite-note-44. ↑ Jeroen Kapelle: Isaac Lazarus Israels: Amsterdam 1865 – Den Haag 1934. In: I.I. – Hollands Impressionist. 1999, S. 11.
cite-note-55. ↑ Anna Wagner: Isaac Israels. 1969, S. 6 f.
cite-note-66. ↑ Anna Wagner: Isaac Israels. 1969, S. 22.
cite-note-77. ↑ Jeroen Kapelle: Isaac Lazarus Israels: Amsterdam 1865 – Den Haag 1934. In: I.I. – Hollands Impressionist. 1999, S. 12.
cite-note-88. ↑ Saskia de Bodt: Isaac Israels en zijn vader Jozef. Over de Borinage naar Amsterdam. In: I.I. – Hollands Impressionist. 1999, S. 36 und 45.
cite-note-99. ↑ Stamregisters van studenten 1877–1914. Archiv der Rijksakademie van Beeldende Kunsten, Amsterdam. Inventarnr. 90–175. Collectie Rijksarchief van Noord-Holland, Haarlem
cite-note-1010. ↑ Jeroen Kapelle: Isaac Lazarus Israels: Amsterdam 1865 – Den Haag 1934. In: I.I. – Hollands Impressionist. 1999, S. 13 f.
cite-note-1111. ↑ Anna Wagner: Isaac Israels. 1969, S. 22 und 9.
cite-note-1212. ↑ Amice, ik condoleer je met het treurige geval met je broer. Het spijt mij dat ik nooit in de gelegenheid was kennis met hem te maken, maar ik dacht dat het er nog wel eens van zou komen. Brief von I. IsraĂ«ls an Th. van Gogh, Amsterdam 17. August 1890. Sammlung Rijksmuseum Vincent van Gogh, Inv.-Nr. B 1015 v/1962.
cite-note-1313. ↑ Jeroen Kapelle: Isaac Lazarus Israels: Amsterdam 1865 – Den Haag 1934. In: I.I. – Hollands Impressionist. 1999, S. 15 f.
cite-note-1414. ↑ Portret van de schilder Jozef IsraĂ«ls. In: RKD – Nederlands Instituut voor Kunstgeschiedenis. 1887, abgerufen am 24. September 2023.
cite-note-1515. ↑ Portret van ThĂ©rĂšse Schwartze. In: RKD – Nederlands Instituut voor Kunstgeschiedenis. 1895, abgerufen am 24. September 2023.
cite-note-1616. ↑ Anna Wagner: Isaac Israels. 1969, S. 9 f.
cite-note-1717. ↑ Jeroen Kapelle: Isaac Lazarus Israels: Amsterdam 1865 – Den Haag 1934. In: I.I. – Hollands Impressionist. 1999, S. 14.
cite-note-1818. ↑ Saskia de Bodt: Isaac Israels en zijn vader Jozef. Over de Borinage naar Amsterdam. In: I.I. – Hollands Impressionist. 1999, S. 34.
cite-note-1919. ↑ J.F. Heijbroek, Jessica Voeten: Isaac Israels in Amsterdam. 2012, S. 56–77, 81–91.
cite-note-wag11-2020. ↑ Anna Wagner: Isaac Israels. 1969, S. 11.
cite-note-2121. ↑ Twee meiden op de Lijnbaansgracht in Amsterdam. In: Groninger Museum. Collectie. Abgerufen am 20. September 2023.
cite-note-2222. ↑ Lucien Midavaine: Energie der Moderne. Die Stadt im Bild. In: Ausstellung Wolken und Licht. Impressionismus in Holland. 2023, S. 148–171, hier S. 150.
cite-note-2323. ↑ Anna Wagner: Isaac Israels. 1969, S. 12.
cite-note-2424. ↑ Nieuwe Rotterdamsche Courant vom 24. Oktober 1894. Zitiert nach Anna Wagner, Isaac Israels, 1969, S. 13
cite-note-2525. ↑ Groninger Museum, 1982.0016, RKD 52249 und Rijksmuseum Amsterdam, SK-A-3594,2, RKD 110244
cite-note-2626. ↑ Anna Wagner: Isaac Israels. 1969, S. 14.
cite-note-2727. ↑ Vooral niet te veel werken, niet meer dan twee uur achter elkaar, niet te lang peuteren, dan ben je niet fris meer. Text zu SK-A-3597, Rijksmuseum Amsterdam, RKD 21394
cite-note-2828. ↑ Anna Wagner: Isaac Israels. 1969, S. 14 und 23.
cite-note-2929. ↑ Jaqueline Hartwig: Freizeit am Meer. Strandbilder. In: Ausstellung Wolken und Licht. Impressionismus in Holland. 2023, S. 172–189, hier S. 175.
cite-note-3030. ↑ siehe Antoon Erftemeijer: Israels aan zee. 2007.
cite-note-kap23-3131. ↑ Jeroen Kapelle: Isaac Lazarus Israels: Amsterdam 1865 – Den Haag 1934. In: I.I. – Hollands Impressionist. 1999, S. 23.
cite-note-3232. ↑ Anna Wagner: Isaac Israels. 1969, S. 15 und 23.
cite-note-3333. ↑ Judith Wesselingh: Isaac Israels in Parijs. In: I.I. – Hollands Impressionist. 1999, S. 96–103.
cite-note-3434. ↑ Anna Wagner: Isaac Israels. 1969, S. 16.
cite-note-3535. ↑ Judith Wesselingh: Isaac Israels in Parijs. In: I.I. – Hollands Impressionist. 1999, S. 103–116.
cite-note-3636. ↑ Anna Wagner: Isaac Israels. 1969, S. 16 f.
cite-note-3737. ↑ Jeroen Kapelle: Isaac Lazarus Israels: Amsterdam 1865 – Den Haag 1934. In: I.I. – Hollands Impressionist. 1999, S. 25.
cite-note-3838. ↑ Jeroen Kapelle: Isaac Lazarus Israels: Amsterdam 1865 – Den Haag 1934. In: I.I. – Hollands Impressionist. 1999, S. 28.
cite-note-3939. ↑ Jop Ubbens: Isaac Israels en de OriĂ«nt. In: I.I. – Hollands Impressionist. 1999, S. 128.
cite-note-4040. ↑ Jop Ubbens: Isaac Israels en de OriĂ«nt. In: I.I. – Hollands Impressionist. 1999, S. 134–136.
cite-note-4141. ↑ Jeroen Kapelle: Isaac Lazarus Israels: Amsterdam 1865 – Den Haag 1934. In: I.I. – Hollands Impressionist. 1999, S. 28 f.
cite-note-4242. ↑ Antoon Erftemeijer: IsraĂ«ls aan zee. 2007, S. 53−65.
cite-note-4343. ↑ Jeroen Kapelle: Isaac Lazarus Israels: Amsterdam 1865 – Den Haag 1934. In: I.I. – Hollands Impressionist. 1999, S. 29–31.
cite-note-4444. ↑ Willemien de Vlieger-Moll: Isaac Israels in Den Haag. 2012, S. 124–126.
cite-note-4545. ↑ Isaac IsraĂ«ls. In: Olympedia. Athletes. Abgerufen am 17. September 2023 (englisch).
cite-note-4646. ↑ Anna Wagner: Isaac Israels. 1969, S. 21.
cite-note-4747. ↑ Judith Wesselingh: Isaac Israels in Parijs. In: I.I. – Hollands Impressionist. 1999, S. 121.
cite-note-bwn-4848. ↑ M. van Delft: Israels, IsaĂ€c Lazarus. In: Huygens ING. 12. November 2013, abgerufen am 25. September 2023.
cite-note-4949. ↑ RKDimages. In: RKD – Nederlands Instituut voor Kunstgeschiedenis. Abgerufen am 26. September 2023.
cite-note-5050. ↑ Il faut voir quelle variĂ©tĂ©, quelle vie, quelle cordiale observation dans le dessin des figures, et comme ce dessin prĂ©cis et naturel, savant sans pĂ©dantisme, est bien de son pays. Encore un Ă©tranger dont le succĂšs vient donner Ă  nos peintres français, un peu trop confiants dans la tranquille possession d'une suprĂ©matie artistique longtemps incontestĂ©e, un avettissement salutaire. A. Michel: Le Salon de 1885. In: Gazette des Beaux-Arts, 2e pĂ©riode, num. 31, S. 495. Zitiert nach Wesselingh, S. 117 f
cite-note-5151. ↑ Nieuwe Courant, 5. Oktober 1904; NRC, 9. Oktober 1904; NRC, 15. Dezember 1905. In Ausschnitten zitiert bei Wesselingh, S. 118 und 120
cite-note-5252. ↑ het hoogste dat bereikt kàn worden. N.H. Wolf: Tentoonstellung van werk van Isaac Israels, Kunstzaal Reckers Rotterdam. In: De Week, 16. Mai 1905. S. 600. Zitiert nach Wesselingh, S. 120
cite-note-5353. ↑ Op de Hoogte, 1906, S. 204–206. Ausschnitt zitiert bei Wesselingh, S. 120
cite-note-5454. ↑ Judith Wesselingh: Isaac Israels in Parijs. In: I.I. – Hollands Impressionist. 1999, S. 117–120.
cite-note-5555. ↑ zitiert nach Anna Wagner: Isaac Israels. 1969, S. 14.
cite-note-5656. ↑ John Sillevis: Isaac Israels en de moderne kunst van zijn tijd. In: I.I. – Hollands Impressionist. 1999, S. 61–69.
cite-note-5757. ↑ Antoon Erftemeijer: IsraĂ«ls aan zee. 2007, S. 74.
cite-note-5858. ↑ Antoon Erftemeijer: IsraĂ«ls aan zee. 2007, S. 74−76.
cite-note-5959. ↑ Anna Wagner: Isaac Israels. 1969, S. 19 f.